27.02.2019

Filmvorführung: Stalker

DIESE FILMVORFÜHRUNG WURDE VOM 09.02.2019 AUF DEN 27.02.2019 VERSCHOBEN!!!

 

Der letzte Film Tarkowskis bei Mosfilm macht bereits die kritische und abweisende Haltung des Regisseurs gegenüber den Zuständen und Arbeitsbedingungen seines aktuellen Standes deutlich.

Handlungsort des Films ist eine kleine Stadt am Rand einer 'Zone', von der eine unerklärliche und widernatürliche Auswirkung auf das Leben der Menschen ausgeht. Held der Geschichte ist der Stalker selbst, der Menschen in die 'Zone' führt und sie dort vor Gefahren schützt. Seine Familie, Frau und Tochter, zeigen sichtbare Spuren von den Auswirkungen der 'Zone'. Die Tochter des Stalkers ist stumm und gehbehindert. Obwohl die Ehefrau inständig darum bittet, dass die Exkursionen ein Ende haben mögen, führt der Stalker zwei Interessierte, einen Schriftsteller und einen Professor, in die 'Zone'. Diese haben unterschiedliche Beweggründe, aber dasselbe Ziel. Das heisst, sie begeben sich auf die Reise zu einem Zimmer, welches alle Wünsche der Eintretenden erfüllen soll. Damit beginnt gleichzeitig eine innere Reise, bei der Weltbilder und philosophische Ansichten hinterfragt werden. Weil die Dreiergruppe nicht genug Mut und Glauben besitzt, muss sie enttäuscht zurückkehren.

Die entschleunigenden 163 Minuten des Films vermitteln trotz der düsteren Endzeitstimmung eine lebensbejahende Hoffnung. Zur düsteren Atmosphäre tragen die melancholischen Gedichte des Vaters Arseni Tarkowski bei, die an gewissen Stellen ins Filmgeschehen eingebunden sind, wie auch die karge Landschaft und die braune und dunkelviolette Einfärbung der Schwarzweisseinstellungen.

Die Struktur des Films ist vergleichsweise einfach gehalten, der Fokus liegt auf den Gesprächen und den im Gespräch erarbeiteten philosophischen Ansätzen.

Mit einer Einführung von Peter Ruggle, Stiftungsrat

Datum: Mi. 27.02.2019
Zeit: 19:00 (Dauer des Filmes 163 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

05.03.2019

Filmvorführung: Nostalghia

Von Restriktionen, Schwierigkeiten und bürokratischen Hindernissen gebremst, fährt Tarkowski nach Italien, um dort mit seinem Förderer und Freund Tonino Guerra den bewegenden Film Nostalghia zu drehen.

Das russische ностальгия meint wie das italienische nostalgia nicht etwa die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, sondern ein Gefühl von 'Heimweh'. Der Film handelt vom Exil und der Sehnsucht nach Heimat. Tarkowski glaubt, das russische Volk habe eine besondere Verbundenheit zum Ort der Geburt. Er setzt sich mit dem quälenden Exil auseinander, das viele Russen auch in der bildenden Kunst und Literatur seit dem späten 17. Jahrhundert beschäftigte. Er selbst gibt zum Abschluss der Dreharbeiten bekannt, er werde nicht mehr in die Sowjetunion zurückkehren.

Nostalghia erzählt von der Reise des russische Schriftsteller Andrei nach Italien, um dort Nachforschungen zu einem russischen Komponisten des 18. Jahrhunderts zu tätigen. Dieser Komponist beendete - aus Liebe zur Heimat - seine erfolgreiche Karriere in Italien, um nach Russland zurückzukehren. Dort ging er nach mehreren Missgeschicken und einer unglücklichen Liebe schließlich zu Grunde.

Mit dem recherchierenden Schriftsteller reist die italienische Dolmetscherin Eugenia. Zwischen Andrei und Eugenia entsteht ein emotionaler Konflikt. Die allgemeine Situation Andreis artet in einer kritisch hinterfragenden Desorientierung aus.

Tarkowski produziert in diesem ausdrucksstarken Film unter anderem sehr schöne Landschaftsbilder der Gegend um Siena. Die ländliche Umgebung, die Ruine der Abtei San Galgano sowie ortsunbezogene russische Bauernhäuser schaffen einen undurchsichtigen Seelenspiegel der Charaktere.

Datum: Di. 05.03.2019
Zeit: 19:00 (Dauer des Filmes 121 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

24.03.2019

Filmvorführung: Das Opfer

Tarkowskis letzter Film, Das Opfer, war für ihn nicht nur ein Spiegel der Wirklichkeit, sondern auch eine Parabel. Über sein früheres Ideal hinaus, das wahre Leben zu zeigen und zu reflektieren, entwickelte sich die fantastische Poesie des Films zu einer gesellschaftskritischen Aufklärung.

Der wohlhabende und gesetzte Alexander erfährt durch seinen Hausarzt vom baldigen und unausweichlichen Ende seines Lebens durch Krebs. Verzweifelt legt der Kranke ein Gelübde ab, alles zu opfern, das ihm lieb ist, sofern er nur geheilt würde. Bei seiner anschliessend stattfindenden Geburtstagsfeier überbringt ihm ein Mittler die Nachricht, er müsse zu einer als Hexe angesehenen Frau gehen und sich ihr hingeben, um sich selbst und die Welt zu retten. Schweigend folgt Alexander der Aufforderung und erlebt bald darauf seine vollständige Genesung. Als Reaktion darauf vollzieht er sein Gelübde und steckt sein Landhaus in Brand.

Die Ursprungsidee zum Film kam Tarkowski bereits in der Sowjetunion, und zwar wie eine Ahnung seines eigenen qualvollen Todes durch Krebserkrankung. Das religiöse Opfer in vollständiger Abkehr von jedweder Art menschlichen Egoismus übte eine grosse Faszination auf den Tarkowski aus. Das Ideal des freien und reinen Existentialismus inspirierte ihn und entwickelte sich schon bald zu einer moralischen Gesellschaftskritik. Tarkowski fordert den Betrachter auf, sich von fortschrittlicher Abhängigkeit zu lösen und sich zurück zur geistigen Verantwortung zu begeben. Er klagt das materialistisch-kapitalistische Prinzip „Geld gegen Ware“ an, mit dem sich der Mensch emotionale Grundbedürfnisse, wie die Liebe und emotionale Ausgeglichenheit, nicht erkaufen könne und somit auch keinen Seelenfrieden finden werde.

Datum: So. 24.03.2019
Zeit: 19:30 (Dauer des Filmes 149 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com