Leihgabe an die Ausstellung Ikonosophia im Philosophicum Basel

Am 6. Januar 2017, führten Arina Kowner (Stiftung Arian Kowner) und Nina Gamsachurdia durch die Ausstellung und erläuterten die Hintergründe der präsentierten Ikonen sowie die der ausgestellten Werke der russischen Künstler aus dem 20. Jahrhundert.

Die Ikonenmalerei ist eminent wichtig für die russische Kunst: Die erste Avantgarde stützte ihre Arbeiten, ihre Ideen und Entwürfe auf dieses kulturelle Erbe. Die zweite und dritte Avantgarde wiederum liess sich stark von der ersten inspirieren. Sie berufen sich insbesondere auf Malevich (Makarevich, Nemukhin, Pivovarov, Steinberg) oder bedienen sich selbst der Bildsprache der Ikonen (Bruskin, Shutov).

So verwendet Steinberg in einigen Arbeiten der 1970ger Jahre, wie zum Beispiel  Komposition, Öl auf Leinwand, 108x67 cm von 1976 das Darstellungsverfahren der sogenannten "umgekehrten Perspektive" und nimmt Bezug auf des Bildkonzept der russisch-orthodoxen Ikone.

Das einem Podest ähnelnde geometrische Gebilde in der unteren Bildhälfte ist als Quader zu verstehen, der sich der gewohnten zentralperspektivischen Ansicht widersetzt. Es vereint vier unterschiedliche perspektivische Ansichten: die Frontalansicht, zwei gegenläufige Seitenansichten und die Aufsicht. Bei der in Ikonen angewandten "umgekehrten Perspektive" geht es nicht um die äusserlich sichtbare Welt, sondern um den Verweis auf die geistige Welt. Auch nimmt Steinberg hier Bezug auf die- als Inbegriff der russisch-orthodoxen Ikone geltenden- Troika von  Andrei Rublev. Dabei kombiniert er das als "Altar" lesbare Podest mit einer Reihe leicht entschlüsselbarer christlicher Symbole wie Kreis (Himmel, Unendlichkeit, Ewigkeit) und Dreieck (Trinität- Gottvater, Gottes Sohn und Heiliger Geist). Auch das Viereck als Sinnbild für das irdische Leben und das Kreuz als christliches Symbol für die Unendlichkeit sind häufig von ihm verwandte Symbole.

 

Die Komposition, Gouache/Tusche/Buntstift auf Karton, 56x39cm von 1987 gehört zum 1985 und 1987 entstandenen Dorfzyklus. Dieser steht für die Vorstellung vom russischen Dorf an sich und eine in den Menschen tief verwurzelte Religiosität. Formal nehmen die Bauernfiguren hier sowohl Bezug auf Malevich, als auch auf die orthodoxen Ikonen selbst. Auch das Kreuz taucht immer wieder als Symbol in ihnen auf. Abschliessend kann die metaphysische Malerei Steinbergs durchaus als Ausdruck seiner religiösen Überzeugung gelesen werden. Andererseits aber auch- wie bei anderen Moskauer Malern- als Rückzug in eine innere Opposition.

 

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