Ost und West im Dialog

Eduard Steinberg, Komposition, 1982, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm

Dauer der Ausstellung: 20.09.2019 - 02.11.2019

Ausstellung im 1. OG

Es ist erstaunlich, wie nahe sich die gezeigten Werke künstlerisch stehen. Als Beispiel sehen wir Werke der Amerikaner Robert Mangold und Sol LeWitt im Dialog mit dem Werk des russischen Künstler Edik Steinberg. Wie kam es dazu? Die amerikanische Minimalart ist - dank fünf Bildern von Malevich, die nach dem 2. Weltkrieg ins MOMA kamen - inspiriert von den dessen Ideen. Dies trifft insbesondere auch auf das Schaffen von Edik Steinberg zu.

Sol LeWitt (1928-2007) hatte mit seinem Werk und seinen theoretischen Schriften die Kunstentwicklung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entscheidend geprägt. Er holte sie vom 'Piedestal'. Durch seine Wiederholungen rüttelte er an der Bedeutung des Orginals. LeWitt arbeitete immer nach einem klaren Konzept und mit grosser Präzision. Er ging dabei von einem geometrischen Grundvokabular - Linie, Quadrat, Dreieck, Kreis - aus und benützte dazu einfache Materialien. In Kombinationsreihen entwickelte er eine erstaunliche Vielfalt (siehe auch zwei Lithographien im Treppenhaus). Er führte die Kunst zu einer formalen Freiheit, die er auch für sich in Anspruch nahm: In der Ausstellung sind seine zwei malerischen schwarzen kleinen Quadrate von 1991 zu sehen.

Robert Mangold (27.10.1937) ist der herausragende Vertreter des Minimalism. Er arbeitet mit grösster Präzision zumeist mit den Symbolen, wie sie durch Malevich geprägt wurden: Quadrat - Dreieck - Kreis/Kugel. Für ihn war die Beziehung zwischen Form, Linie und Farbe entscheidend. Mit diesem Prinzip schafft er äusserst interessante und vielseitige Werke. Manche sind poetisch luftig andere architektonisch interessant.

Eduard/Edik Steinberg (1937 - 2012) hat ein sehr reichhaltiges Werk hinterlassen. In der Ausstellung sind fünf Arbeiten von ihm zu sehen Sein Schaffen ist besonders von Kasimir Malevich geprägt und dies mit grossem Respekt und Achtung vor dem grossen Inspirator. Er arbeitete zumeist mit den Symbolen Quadrat, Kreis/Kugel, Dreieck und Kreuz und erreichte damit eine erstaunliche Vielfalt. Künstlerkollegen aus Russland sehen in Steinberg den Nachfolger des bedeutenden Erneuerers der Kunst im 20 Jahrhunderts.

Two Frames
Robert Mangold, Two Frames, 1987, Acryl, Bleistift auf Papier, 46 x 38 cm 
      
Edik Steinberg, Kompositionen, 1970 & 1980, Öl auf Leinwand

Vladimir Nemuchin (1925-2016), war für die zeitgenössische russische Kunst von grösster Bedeutung. Er war Mitglied der Lianozovo-Gruppe (Oskar Rabin, Lydia Masterkova etc.). Er setzte sich enorm für seine Künstlerkollegen ein. Die Nonkonformisten hatten bekanntlich ein schwieriges Leben. In der Ausstellung sind fünf seiner Werke zu sehen. Drei Bilder, er nennt sie 'Patience', erinnern an den italienischen Maler Lucio Fontana(1899-1968). Die Spielkarte, die Nemuchin wie eine Signatur benützt, ist sein Markenzeichen.

Ganz erstaunlich ist auch der Dialog - das Zusammenspiel zwischen Boris Bich (1946) und Mikhail Chernyshev (1945) mit Ed Ruscha (1937). Die drei ausgestellten Werke könnten jedem von ihnen zugeschrieben werden, so ähnlich sind sie in Fomat, Formensprache, Material und Farbe. und alle drei Arbeiten entstanden 1984.

Der grosse Theatermacher Robert Wilson (1941)ist mit zwei Arbeiten, die er in seiner Zürcherzeit geschaffen hat, vertreten. Wilson hat sehr viel gezeichnet und gemalt, um seine Regiearbeit den Schauspielern und Bühnenbildnern verständlich zu machen. Ich hatte den Verein 'Freunde Robert Wilsons' ins Leben gerufen, um sein Wirken zu unterstützen.

Zwei exzentrische Porträts, ein Selbstbildnis von Vladislav Mamyshev-Monroe (1969-2013) und Joseph Beuys, gemalt von Andy Warhol (1928-1987) runden die Ausstellung ab.


Boris Bich, Geokon, 1984, Tempera auf Karton, 49 x 63 cm

Mikhail Chernyshev, Schräge Geometrie, 1984, Collage auf Papier, 46 x 61 cm

 

 

Ausstellungsraum 5. OG

Mit 12 frühen Arbeiten soll Ilya Kabakov (1933) und sein Schaffen geehrt werden. Vier Arbeiten entstanden 1973, zwei 1976. fünf 1982 und eines 1983. Es sind die frühen Papierarbeiten, die mich persönlich besonders ansprechen. Diese Werke, die alle noch in Russland entstanden, machten ihn im Westen bekannt und führten zu seinem herausragenden Namen. Es ist mir ein Anliegen, diese einmal zusammen zu zeigen.

Ivan Chuikov (1933) ist mit zwei Arbeiten - genannt 'Spalten' - aus den Jahren 1994 und 1995 vertreten. Es sind zarte kleine Papierarbeiten, die mit Fotografie und Zeichen- und Buntstift gestaltet sind und eine starke Ausstrahlung haben.

Zwei grossformatige eindrucksvolle Fotobilder stammen von Irina Polin, einer in der Schweiz (Bern) lebenden russischen Künstlerin, die leider viel zu früh- mit nur 36 Jahren - verstarb. In ihrem kurzen Leben hat sie jedoch Grosses geschaffen. Sie war mir eine liebe Freundin.

Der Amerikaner Ed Ruscha (1937) ist mit einem grossformatigen Bild vertreten: 'Navigation' 117 x 167 cm, Acryl/Leinwand, entstanden 1986. Dieses grossartige Werk ist raum-bestimmend und verlangt nach Kunst, die stark genug ist, um neben ihm zu bestehen. Ich konnte es noch in den 1980er Jahren erwerben. Für mich strahlt es eine grosse Faszination aus: Dieses kaum wahrnehmbare Schiff, das im morgendlichen Dunst auftaucht hat etwas Mystisches.


Ed Ruscha, Navigation, 1987, Acryl auf Leinwand, 117 x 167 cm

Zurück